Start-up-Interview: „Wir sind der Painkiller für die Betreiber dezentraler Systeme“

Start-up-Story – 19. März 2021

Solbytech stabilisiert die mobile Kommunikation zwischen PV-Anlagen und Router

Eben noch hat man sich angeregt unterhalten, im nächsten Moment ist die Verbindung weg. Was bei einem Handygespräch nicht weiter schlimm ist, bedeutet für den Betrieb und das Monitoring einer PV-Anlage viel Aufwand und Kosten. Das Start-up solbytech hat eine Lösung entwickelt, die die mobile Kommunikation dezentraler Anlagen stabiler und sicherer macht und damit auch den Ausbau erneuerbarer Energien voranbringt.

Die drei Freunde Manuel Dorfer, Gerald Eder und Florian Dodegge (v.l.n.r.) erkannten schon früh das Problem der instabilen Kommunikation von PV-Anlagen und entwickeln mit ihrem Startup solbytech eine Lösung.

Herr Eder, mit Ihrem Start-up solbytech haben Sie eine Lösung entwickelt, mit der sich die Kommunikation zwischen PV-Anlagen und dem zugehörigen Monitoringsystem stabilisieren lässt. Wo liegt hier das Problem?

Die Daten von dezentralen Anlagen werden meist mit Hilfe von Industrieroutern übertragen. Dabei ist die mobile Kommunikation aber sehr störanfällig, was eine nahtlose Betriebsführung von PV-Anlagen so gut wie unmöglich macht. Es gibt viele unterschiedliche Einflussfaktoren, die sich auf die Stabilität auswirken. Neben Fehleinstellungen, veralteter Software, falschem Betrieb, ungeeigneten SIM-Karten, Mobilnetzproblemen und Überlastungen des Systems sind sehr viele feingranulare Einstellungsmöglichkeiten ausschlaggebend. Mit einer aktiven Steuerung der Industrierouter kann deren Ausfallsicherheit und Verbindungsstabilität stark erhöht werden.

Das System solbyvise setzt sich aus einer Hard- und Softwarelösung zusammen. Die Hardware, das solbyvise STC, bringt als Minicomputer die Intelligenz in das System.

Ihre Lösung besteht aus Hard- und Software. Können Sie die einzelnen Komponenten und ihre Funktion bitte näher beschreiben? Wie funktioniert das Ganze?

Unser System solbyvise setzt sich aus einer Hard- und Softwarelösung zusammen. Der große Vorteil entsteht aus der Kombination der beiden Komponenten. Dabei kann unser System von Anfang an in die Anlage mitintegriert oder nachgerüstet werden. Die Hardware, das solbyvise STC als Minicomputer, bringt die Intelligenz in das System. Durch einfaches Plug & Play können Fehleinstellungen durch die Vorkonfiguration vermieden werden. Integriert in die Anlage übernimmt unser System die Spannungsversorgung für den Industrierouter. Die USV ermöglicht auch bei Stromausfall ein geregeltes Herunterfahren der Komponenten sowie die Aufzeichnung der letzten Status- und Fehlermeldung der PV-Anlage. Komplettiert wird das System durch ein intelligentes Updatemanagement und eine Hard Reset-Funktion zum Neustart des Routers.

Das System ist cloudbasiert. Welche Funktionen bietet die Cloud?

Die skalierbare Cloudarchitektur solbycloud entwickelten wir als unabhängige IoT-Plattform. Das solbytech Überwachungs- und Trackingsystem zeichnet die Kommunikationsparameter der Industrie-Router auf. Die Router- und anlagenspezifischen Daten wie die standortabhängige Signalstärke, Empfangsqualität, Mobilfunkwahl und die standortunabhängigen Gerätedaten sowie die Log-Dateien des Router-Betriebssystems werden künftig in einer Datenbank gespeichert und in unserer cloudbasierten Applikation verarbeitet, ausgewertet und visualisiert. Durch die daraus gewonnenen Erkenntnisse können die Industrie-Router über die cloudbasierte Software automatisiert, anlagenspezifisch und herstellerunabhängig bespielt und dadurch rekonfiguriert werden.

Auch an zukünftigen Entwicklungen wie der KI-basierten Datenauswertung und einer Informations- und Cybersicherheitslösung, die der europäischen Richtlinie für Netz -und Informationssicherheit (NIS) entspricht, arbeiten wir bereits.

Ist solbytech auch für andere dezentrale Anlagen geeignet, etwa für Windkraftanlagen oder Insel-Systeme?

Ja natürlich! Neben weiteren Einsatzgebieten im Energiebereich, beispielsweise Erdgasnetzüberwachung, Ladesäulenkommunikation, Windparks etc., kann die Lösung einen Mehrwert für dezentrale Kommunikationsanwendungen auch in anderen Branchen bieten und als Problemlöser fungieren.

Welche Vorteile bringt Ihr System für die Betreiber der Anlagen?

Der Betreiber profitiert in erster Linie durch die Kosten- und CO2-Einsparung aus den reduzierten Technikereinsätzen, die bei einem Kommunikationsausfall zur Störungsbehebung anfallen. Grundsätzlich automatisieren wir den gesamten Prozess von der Router-Installation und Inbetriebnahme bis hin zum aktiven Management und reduzieren dadurch die Fehlerhäufigkeit bzw. Fehleranfälligkeit. Das Monitoring kann durch relevante Daten zu Ausfallzeitpunkten, die am Markt aktuell nicht vorhanden sind, verbessert werden.

Wer gehört zu Ihren Zielgruppen?

Unsere direkte Zielgruppe sind O&M-Unternehmen, die sich wieder auf Ihre Kernkompetenzen konzentrieren wollen und durch einen effizienteren Betriebsführungsprozess die Konkurrenzfähigkeit steigern können. Weitere Marktteilnehmer wie beispielsweise Monitoring-Unternehmen, die von einer nahtlosen Kommunikation zur Datenübertragung in die Monitoringsysteme leben, können von einer stabileren Kommunikation profitieren. Genau für diese und weitere Zielgruppen wollen wir als „Painkiller“ auftreten und durch unser System Prozesse nachhaltig und lösungsorientiert verbessern.

Auf Ihrer Homepage ist auch von künstlicher Intelligenz die Rede. Welche Rolle spielt diese in Ihrem Kommunikationssystem?

Ja, die künstliche Intelligenz spielt als zukünftige Funktionalität eine sehr wichtige Rolle. Dabei werden aktuelle Daten mit historischen Daten verknüpft und auf Kausalitäten überprüft. Die KI bildet dabei das Herz der Anwendung für die Datenanalyse und die automatische Rekonfiguration der Industrierouter.

Solbytech testet sein System auf Anlagen der Salzburg AG. Können Sie die Tests und die Zusammenarbeit mit der Salzburg AG ein bisschen näher beschreiben?

Nach der Gründung der solbytech gmbh im Jahr 2019 konnten wir uns gegen eine Vielzahl von Bewerbern beim Inkubationsprogramm von Startup Salzburg durchsetzen. Während der Startup Factory wurden wir von einem Mentor der Salzburg AG begleitet, der es uns ermöglichte, unser System direkt auf Anlagen der Salzburg AG zu testen. Durch diese marktnahe Entwicklung lernten wir sehr schnell und konnten unser Produkt marktspezifisch entwickeln. Wir freuen uns sehr, dass wir die Zusammenarbeit intensivierten konnten und die Salzburg AG im Herbst 2020 als strategischen Investor und Partner an Bord holen durften.

Sie beschäftigen sich auch mit Cyber-Security. Im Februar haben sich Fremde Zugriff auf ein Wasserwerk in Florida verschafft und die Wasseraufbereitung manipuliert. Wie sicher sind dezentrale erneuerbare Energien-Anlagen vor digitalen Angriffen?

Wir sehen den Bereich der Informations- und Cyber-Sicherheit als einen er wichtigsten in der Digitalisierung der Energiewirtschaft. Jeder Industrierouter sowie jedes internetfähige Gerät (IoT-Gerät), das in einem Photovoltaik-Gesamtsystem eingebaut wird, ist ein potenzieller Angriffspunkt für Hacker. Es ist wichtig, sich dieser Gefahren bewusst zu sein und diese durch geeignete Maßnahmen zu reduzieren. Dabei ist die minimalste Anforderung an Anwender, die Systeme up to date zu halten!

Was lässt sich generell gegen die Gefahr aus dem Netz tun? Was sind Ihre Ansätze dafür?

Wie gesagt, es ist wichtig, sich der Gefahr bewusst zu sein. Im Generellen zählt der Energiesektor zur kritischen Infrastruktur und ist laut der NIS-Richtlinie unter gewissen Rahmenbedingungen verpflichtet, technische und organisatorische Maßnahmen zu treffen, um die Cybersicherheit zu gewährleisten bzw. bei einem Sicherheitsvorfall diesen unverzüglich zu melden.

Wir wollen betroffene Unternehmen bei der dezentralen Umsetzung der notwendigen Maßnahmen direkt bei den Photovoltaik-Anlagen unterstützen. Beispielsweise kann durch die Integration innovativer Intrusion Detection- und Prevention-Systeme sowie Port Scanning, Alertmanagement und Reporting das Netz- und Informationssystem der Anlagen vor Ort überwacht und sicherer werden. Das Ziel ist es, Photovoltaik-Anlagen als kritische Infrastruktur vor Cyberangriffen zu schützen, um eine sichere Energieversorgung zu gewährleisten. (SP)

Weitere Informationen: solbytech

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