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Strom vom Dach, Wärme aus dem Boden

Die Gemeinde Schlier realisiert ein klimaneutrales Neubaugebiet mit einem kalten Nahwärmenetz und PV-Anlagen auf allen Gebäuden. (Copyright: Gemeinde Schlier)

Eine klimaneutrale und zugleich kostengünstige Energieversorgung mit Strom, Wärme und Mobilität ist möglich, auch für Quartiere und kleinere Neubaugebiete mit unter 100 Wohneinheiten. Das zeigt die Gemeinde Schlier im Kreis Ravensburg für ihr Neubaugebiet im Ortsteil Unterankenreute. Rund 87 Wohneinheiten sollen mit CO2-freier Wärme aus einem kalten Nahwärmenetz mit Erdsonden sowie mit Sonnenstrom vom eigenen Dach versorgt werden. Staatliche Förderprogramme bieten unter bestimmten Voraussetzungen hierfür bis zu 50% Investitionskostenzuschuss. Das sind die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie, die der Gemeinderat in Auftrag gegeben hatte, um Kosten und Klimaeffekte einer möglichst CO2-neutralen Versorgung mit konventionellen Lösungen zu vergleichen.

Neubaugebiet wird zum Selbstversorger

Das beschlossene Energiekonzept des Ingenieur- und Innovationsbüros Schäffler Sinnogy aus Freiburg sowie des Planungsbüros Roland Reiter aus Weingarten sieht als Wärmequelle dezentrale Erdsonden vor, die auf den öffentlichen Flächen des Neubaugebiets errichtet werden und ganzjährig „kalte Wärme“ auf einem Temperaturniveau von ca. 8–12°C bereitstellen. Der Vorteil der niedrigen Temperatur ist, dass die Rohre des Nahwärmenetzes nicht isoliert werden müssen. In den Gebäuden nutzen Sole-Wasser-Wärmepumpen die Wärme für die Heizung und Warmwasserbereitung. Photovoltaik-Anlagen (PV) auf allen Dächern stellen den nötigen regenerativen Strom bereit, der nach den Berechnungen der Ingenieurbüros auch für den Haushaltsstrom und künftige E-Fahrzeuge reichen wird. Rund 50% des PV-Stroms kann dabei mit Hilfe von Batteriespeichern, Pufferspeichern und einer intelligenten Steuerung direkt vor Ort genutzt werden. Der restliche Überschuss wird im Sommer ins Netz abgegeben und im Winter wieder aus dem Netz bezogen.

Hohe Fördersummen möglich

Kostenvergleiche der klimaneutralen Gemeinschaftslösung mit einer konventionellen Lösung einerseits und privaten Lösungen der einzelnen Bauherren anderseits zeigen, dass das kalte Nahwärmenetz nicht teurer ist. Ein wesentlicher Vorteil sind die aktuellen staatlichen Fördermöglichkeiten. Denn durch das BAFA-Förderprogramm Wärmenetze 4.0 erhalten innovative kalte Nahwärmenetze eine Förderung von bis zu 50% der Investitionskosten. Das Besondere dabei ist, dass nicht nur die Erdsonden, das Wärmenetz und die Wärmepumpen, sondern auch die dazugehörigen PV-Anlagen und sogar Batteriespeicher gefördert werden können. Aktuell läuft noch die Auswahl eines entsprechenden Quartiersversorgers, der den Betrieb der Energieanlagen übernimmt. Die Entscheidung dafür soll im November fallen.

Energieautonome Kommunen

Auf dem Kongress Energieautonome Kommunen am 13. und 14. Februar 2020 in Freiburg wird das Projekt der Gemeinde Schlier ausführlich vorgestellt. Neben weiteren Beispielen für klimaneutrale Neubaugebiete stehen integrierte Mobilitätskonzepte und Strategien für die Klimaanpassung im Fokus der Veranstaltung. Darüber hinaus bietet der Kongress unter anderem Vorträge und Diskussionsrunden zum Thema klimaneutrale Betriebe und Verwaltungen sowie Kommunikationsmodelle für die Einbindung von Akteuren in den kommunalen Klimaschutz.

Weitere Informationen zum Projekt der Gemeinde Schlier: Schäffler Sinnogy

 

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