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Best-Practice-Beispiel: Frischer Wind für Bio-Brötchen

Urbane Kleinwindanlage

Windenergieanlagen in Städten? Eine speziell für urbane Räume entwickelte Kleinwindanlage nutzt die Windgeschwindigkeiten in geringer Höhe optimal aus. (Copyright: enbreeze)

Frischer Wind für Bio-Brötchen

Norddeutscher Bäcker will Kleinwindanlage im Gewerbegebiet errichten

Backen, heizen und seine Elektrofahrzeuge laden – das will ein Biobäcker mit selbst erzeugtem Solar- und Windstrom. Eine PV-Anlage betreibt er schon seit ein paar Jahren, doch eine Windkraftanlage wollen die zuständigen Kommunalpolitiker im Gewerbegebiet nicht erlauben – allen positiven Argumenten zum Trotz.

„Wer will guten Kuchen backen, der muss haben Bio-Sachen…“, so müsste das bekannte Kinderlied bei Bäckermeister Andreas Wittmaack lauten. Denn bei dem Biobäcker, der seit 16 Jahren in Bargteheide die Hofbäckerei Wittmaack betreibt, ist alles bio: Vom Dinkelmehl über die Kürbisskerne bis zum Zucker. Weil der Mittelständler aus der Nähe von Hamburg im Einklang mit der Natur produzieren will, heizt und backt er mit Öko-Strom. Auf dem Dach arbeitet seit einigen Jahren eine Photovoltaik-Anlage, doch das genügt dem 49-jährigen Firmenchef nicht. „Wir wollen auch eigenen Windstrom produzieren und damit backen, heizen und die elektrischen Lieferwagen betreiben“, sagt Wittmaack. Denn nachts, wenn die Bäckerei den meisten Strom braucht, scheint die Sonne nicht, darum wäre eine Windenergieanlage die perfekte Ergänzung. Außerdem will Wittmaack den Windstrom für seine drei neuen Elektrolieferwagen nutzen. Sechs seiner elf Transporter fahren inzwischen elektrisch, 100.000 km sollen sie in diesem Jahr zurücklegen. Auch eine öffentliche Ladesäule will der Bäckermeister betreiben.

Lange hatte der Unternehmer nach einer geeigneten Lösung für seine Pläne gesucht, denn ein übliches, riesiges Windrad bringt er auf dem Firmengelände nicht unter. Inzwischen fand der Bio-Bäcker eine Lösung: Er will neben der Backstube ein innovatives Kleinwindrad aufstellen, das speziell für urbane Regionen entwickelt wurde. Das wäre so unauffällig, dass es ohne Probleme auch in einem Gewerbegebiet wie in Bargteheide arbeiten könnte. Und es würde perfekt die PV-Anlage auf dem Dach ergänzen: Im Winter gibt es viel Wind, im Sommer scheint die Sonne.

Kleinwindanlage speziell für urbane Räume

Entwickelt hat die neuartige Kleinwindanlage das Berliner Unternehmen enbreeze. Dessen Chef Jacques Fischbach beschreibt die Besonderheit: „Wir haben die Rotoren optimal auf Windgeschwindigkeiten in geringer Höhe ausgelegt.“ So arbeiten sie wirtschaftlich – im Gegensatz zu den bislang üblichen Kleinwindanlagen. Ihre Auslegung macht die 15-kW-Anlage für Mittelständler wie Bäcker Wittmaack interessant. 30.000 kWh kann sie ihm pro Jahr durchschnittlich liefern, rechnet er.

Die enbreeze-Anlage bewege sich in einer Marktlücke. Zwar liefern etliche Anbieter Mikro-Rotoren für den Garten. „Die produzieren aber kaum Strom, weil sie viel zu klein sind“, stellte Bäcker Wittmaack bei der Suche fest. Wind nimmt schließlich mit dem Abstand zur Erde zu, eine gewisse Höhe ist deshalb nötig. Großanlagen wiederum sind nur weit entfernt von Gebäuden möglich. „Deshalb haben wir unseren Rotor genau auf die Verhältnisse in urbaner Nähe abgestimmt“, erklärt Fischbach. Dieser Schritt sei nicht trivial, denn es genüge keineswegs, eine Großanlage lediglich zu verkleinern. In jahrelanger Entwicklung und mit vielen Berechnungen und Versuchen fanden seine Ingenieure das ideale Aussehen und die Abmessungen für die Rotorblätter. Das Ergebnis ist eine auch optisch ansprechende Industrieanlage. Wer möchte, kann sie mit seinen Firmenfarben versehen und das Logo individuell drauf platzieren. So wird das Windrad zum Werbeträger und setzt ein deutliches Zeichen für nachhaltiges Arbeiten.

Die Voraussetzungen für die Kleinwindanlage sind eigentlich ideal: Wittmaacks Firma liegt in einem Gewerbegebiet, wo es kaum Anwohner gibt, die sich am Anblick eines ohnehin kleinen Windrades stören könnten. Weil die Bebauung locker ist, hätte der Wind ungehinderten Zugang zu den Rotoren in gut 20 m Höhe. „Das Rad wird kaum mehr Schatten werfen als die Bäume hier in der Umgebung“, ist Wittmaack sicher. Der schlanke Mast ist etwa so hoch wie ein fünfstöckiges Gebäude, vom Boden bis zur Rotorspitze sind es keine 30 m. Das ist deutlich weniger als die sonst in Norddeutschland verbreiteten Großanlagen, die bis zu 200 m aufragen. Den Rotor von Bäcker Wittmaack würden Passanten erst entdecken, wenn sie fast davorstehen.

Gemeinde will kein Windrad im Gewerbegebiet

Der einzige Haken an der Sache: Es wäre eine Änderung des Bebauungsplans nötig, denn im Bargteheider Gewerbegebiet sind nur 12,5 m Höhe für freistehende Masten erlaubt. Das sei aber zu wenig, sagt Wittmaack, um genügend Wind ernten zu können. Laut Gutachter würden auch die Lärmschutzauflagen eingehalten: „Im Gewerbegebiet sind 55 dBA zugelassen, das Windrad hat aber nur 45 dBA.“ Der Schatten der Rotorblätter würde auf das eigene Bürogebäude fallen, nur früh morgens sei ein Nachbarhaus betroffen.

Doch die Genehmigungsbehörden aus Schleswig-Holstein sperren sich bislang. Sie lehnen die Anlage ab, weil sie die Bewohner der im Gewerbegebiet vorhandenen Werkswohnungen stören würde. Kenner der Verhältnisse vermuten andere Motive: Windkraft hat derzeit besonders in Norddeutschland keinen guten Ruf. Weitere Anlagen sind offenbar nicht erwünscht – egal, wie diese aussehen und arbeiten. Windstrom haben sie an der Küste schließlich schon genügend, sagen Kritiker. Doch Bäcker Wittmaack will autark werden, nicht auf den Strom der anderen angewiesen sein. Er hält seine Lösung für nachhaltig und kämpft darum, die Ämter noch umzustimmen.

Hersteller enbreeze unterstützt seine Kunden beim Genehmigungsprozess. „Zusammen mit den Kunden ist ein persönliches Gespräch bei der zuständigen Behörde sinnvoll. Wir sind Experten auf diesem Gebiet, können valide Informationen nennen und argumentieren“, rät Fischbach.

Windkraft ja, aber nicht bei uns

So gesehen ist das enbreeze-Modell ein Zeichen einer neuen Zeit: Die Energiewende wird nur gelingen, wenn Strom künftig an vielen Orten in kleinen Mengen erzeugt wird, statt wie bislang in großen Kraftwerken. Da ist auch in den Amtsstuben noch viel Umdenken nötig – und bei den Bürgern, von denen in Bargteheide einige Unterschriften gegen die geplante Kleinwindanlage gesammelt hatten. Andreas Wittmaack hat dennoch große Pläne: Er möchte seine gesamte Lieferwagen-Flotte auf Elektrofahrzeuge umstellen. Schon heute beliefert er mit einigen elektrischen Kleinlastern morgens Dutzende von Kindergärten, Bio-Läden und Öko-Lieferanten im Hamburger Speckgürtel mit seinen Bio-Backwaren. Eine Kleinwindanlage würde ihm helfen, sogar im Winter mit eigenem Strom zu fahren. (SP)

Weitere Informationen: enbreeze