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Start-up–Interview: „Über spezifische Muster lassen sich Lastspitzen detailliert vorhersagen“

Patrick Olma, Christian Olma und Tobias Olma

Die drei Brüder Patrick Olma, Christian Olma und Tobias Olma haben Olmatic 2016 gegründet. (Copyright: Olmatic)

 

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Energiemanagement-Lösung setzt auf KI für automatisiertes Peak-Shaving

Für das Start-up Olmatic haben sich drei Brüder zusammengetan, um Produkte und Systeme rund um das Energiemanagement und die digitale Vernetzung zu entwickeln. Das Produktportfolio umfasst zentrale Steuereinheiten, Sensoren und Leistungseinheiten für die Industrie 4.0 und Elektromobilität. Im Fokus steht dabei das Erkennen und Vermeiden von Lastspitzen durch KI. Im Interview erklärt Patrick Olma, was das Besondere am Olmatic Power Tracking ist.

 

Herr Olma, Ihre jüngste Entwicklung ist das Olmatic Power Tracking. Was genau ist das?

Wir bieten unter dem Namen „Olmatic Power Tracking“ (OPT) ein Energiemanagementsystem (EMS) speziell für die Industrie an, das mit Hilfe künstlicher Intelligenz Lastspitzen bei der Stromversorgung automatisch erkennt und durch den intelligenten Bezug von regenerativen Energiequellen und -speichern ausgleicht. Dadurch sparen die Unternehmen deutlich bei den Energiekosten und erfüllen die gesetzlichen Vorgaben, in dem sie ihre CO2-Emissionen senken.

Und worin liegt der Unterschied zu Konkurrenzprodukten?

Um eine Lastspitzenvorhersage so detailliert wie möglich treffen zu können, reicht es nicht aus, nur den Gesamtverbrauch am Hauptanschlusspunkt zu messen. Vielmehr müssen wir wissen, welcher Verbraucher zu welcher Zeit und aus welchem Grund für eine Lastspitze verantwortlich war. Nur so können wir die künstliche Intelligenz optimal trainieren, um daraus für die Zukunft korrekte Vorhersagen treffen zu können. Bei vielen EMS-Systemen auf dem Markt scheitert es hier oftmals an den hohen Investitionskosten für die Sensoren selbst sowie den Kosten für die Installation, da jeder Sensor direkt in die Versorgungsleitung integriert und per Kabel mit einer zentralen Datenerfassung verbunden werden muss.

Unsere eigens entwickelten Sensoren messen kontaktlos. Der Sensor wird lediglich um die Phase geklemmt und kommuniziert die erfassten Daten über Funk an unser zentrales IoT-Edge-Gateway. Der Installationsaufwand ist damit sehr gering und das Verhältnis von Kosten und Aufwand zu Ertrag optimal. Das ist eines unserer größten Alleinstellungsmerkmale. Außerdem bieten wir die volle Funktionalität eines Energiemanagements, von der Datenerfassung, über die Analyse, bis hin zur Umsetzung der Optimierungspotentiale an. Das Produktportfolio aus Hard- und Software haben wir komplett selbst entwickelt. Dadurch können wir in jeden Bereich die volle Expertise einbringen und so auch flexibel spezielle Anforderungen seitens der Kunden umsetzen, ohne dabei Produkte und Dienstleistungen Dritter einsetzen zu müssen.

Wie genau funktioniert die intelligente Lastspitzenerkennung?

Das System erfasst in Echtzeit über die integrierten Sensoren permanent die Energieparameter an jedem beliebigen Verbraucher, digitalisiert diese und legt sie an einem zentralen Speicherort ab. Diese Datensammlung bildet die Grundlage für den Einsatz der künstlichen Intelligenz des Systems. Die dafür eigens entwickelten Algorithmen analysieren den Datenbestand kontinuierlich, um Muster zu erkennen, welche wiederum Informationen und Rückschlüsse darüber liefern, wann und aus welchem Grund eine Lastspitze am Verbraucher aufgetreten ist. Über die Erkennung dieser spezifischen Muster soll es möglich werden, eine Lastspitze detailliert vorhersagen zu können. Die mitgelieferte Software visualisiert die erfassten Daten ebenfalls in Echtzeit. So hat der Benutzer stets eine übersichtliche Darstellung jeglicher Energie- und Kostenparameter und kann diese für weitere Analyse- und Optimierungszwecke nutzen.

Was passiert, wenn eine Lastspitze auftritt?

Sobald die Software eine Lastspitze erkennt oder vorhersagen kann, können regenerative Energiequellen und -speicher automatisch hinzugeschaltet werden. Alternativ kann das System einer erkannten Lastspitze durch Lastabwurf entgegenwirken, indem es definierte Verbraucher abschaltet oder reguliert. Über diese völlig automatischen Prozesse können auftretende Lastspitzen gezielt und pro-aktiv durch regenerativ und kostenlos erzeugte Energie oder kurzzeitige Reduzierung des Energieverbrauchs ausgeglichen werden.

Ist das Olmatic Power Tracking schon im Praxiseinsatz?

Wir sind mit dem kompletten Produktportfolio nun seit dem zweiten Quartal dieses Jahres in der Marktreife und haben zusammen mit dem Campus Schwarzwald in Freudenstadt eine Möglichkeit geschaffen, einen Demo-Case unseres Systems in dessen Labor aufzubauen. So können wir das System unter realistischen Bedingungen demonstrieren und potenzielle Kunden von den Fakten überzeugen.

Was hat Sie und Ihre beiden Brüder 2016 dazu bewegt, die Firma Olmatic zu gründen?

Wir waren in den Jahren vor Gründung der Olmatic GmbH bereits gemeinsam für ein Unternehmen aktiv, das hauptsächlich in der Auftragsdienstleistung, d.h. Entwicklung und Fertigung von Produkten im Energiesegment tätig war. Im Laufe der Zeit reifte bei uns mehr und mehr die Idee, unsere Expertise in eigene Produkte fließen zu lassen und diese unter eigenem Namen und eigener Marke am Markt etablieren zu wollen. So haben wir uns Ende 2015 zusammengesetzt und einen Businessplan für ein eigenes Unternehmen entworfen. Bestärkt durch den wachsenden Markt für EMS, unsere Erfahrung aus Entwicklung, Fertigung, Marketing und Vertrieb, die wir in den Jahren zuvor aufbauen konnten, sowie unsere Vision, einen direkten Mehrwert für den Klimaschutz liefern zu können, machten wir schließlich den entscheidenden Schritt. Im März 2016 haben wir die Olmatic GmbH als reines Familienunternehmen gegründet und bis heute erfolgreich weiterentwickelt.

In welchen Branchen und Regionen ist Olmatic aktiv?

Unsere Hauptzielgruppe ist der B2B-Bereich und hier Kunden mit einem Energieverbrauch ab ca. 100.000 kWh pro Jahr. Dabei sind wir hauptsächlich in drei Zielmärkten aktiv: Bei der Ladeinfrastruktur vermeiden wir mit einem dynamischen Lade- und Lastmanagement unter Einbezug von regenerativen Energiequellen und -speichern Lastspitzen. Beim „Industrial Demand Management“, hauptsächlich in der Fertigungsindustrie, können wir mit unserem System Lastspitzen vorhersagen und ausgleichen, ohne dabei den Fertigungsprozess zu verändern. Unser dritter Zielmarkt ist die „Peak-Prediction“. Hier integrieren Maschinen- und Anlagenbauer unser System als direktes EMS in ihre Anlagen. Dadurch schaffen sie eine maximale Transparenz der Energiedaten und können Lastspitzenvorhersagen umsetzen, welche sie wiederum als Mehrwert an ihre Endkunden verkaufen können.

Was sind Ihre Ziele für die nächsten drei Jahre?

Im kommenden Jahr wollen wir uns in erster Linie auf dem regionalen Markt etablieren. Wir werden Referenzprojekte mit hier angesiedelten Firmen und regionalen Netzwerken schaffen, die wiederum als Multiplikator und Treiber für die kommenden Jahre dienen sollen. Im Laufe der nächsten zwei Jahre wollen wir mit den gewonnenen Erkenntnissen und Referenzen dann auf dem deutschen Markt expandieren, bevor wir in drei Jahren auf Europa erweitern wollen.

Viele Start-ups sitzen in Köln oder Berlin, Sie haben sich für den Schwarzwald entschieden, warum?

Als Start-up ist es für uns enorm wichtig, fehlende Ressourcen durch vorhandene Netzwerke und Kooperationen aufzustocken. Nur so können wir uns auch innerhalb der schwierigen Rahmenbedingungen eines Start-ups am Markt nachhaltig etablieren und unser Produkt zielstrebig weiterentwickeln. Wir setzen hierbei innerhalb unserer Strategie ganz gezielt auf den Faktor regionale Nähe und mögliche Kooperationen mit hier ansässigen Unternehmen. Gerade am Campus Schwarzwald in Freudenstadt, in deren Räumlichkeiten wir derzeit unsere Produkte weiterentwickeln, finden wir ein solches Netzwerk, in dem eine Vielzahl an international tätigen Unternehmen aus genau unserer Zielgruppe aktiv sind. Die Infrastruktur des Campus Schwarzwald, der direkte Kontakt zu renommierten Industrieunternehmen und das hervorragende Netzwerk in die universitäre Forschung und Lehre schaffen für uns ideale Voraussetzungen, unser Unternehmen voranzubringen.

Das Interview führte Simone Pabst.

Weitere Informationen: Olmatic