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Adel verpflichtet – auch bei der Energieeffizienz

Jenseits von qualmenden Kreuzfahrtschiffen und kerosinschluckenden Flugreisen legen immer mehr Gäste im Urlaub oder auf Dienstreisen Wert darauf, das Klima und die Umwelt zu schonen. Hotels, die sich selbst effizient mit Energie versorgen und ihren Energiebedarf mit intelligenter Steuerungstechnik senken, können sich hier gegenüber ihrer Konkurrenz abheben. Ein Beispiel ist das Hotel & Spa Gräflicher Park in Bad Driburg. Das 4-Sterne-Superior-Haus betreibt für seine Gäste einen großen Wellness- und Spa-Bereich einschließlich eines beheizten 25-m-Außenpools und mehrerer Saunen. Entsprechend hoch ist der Energiebedarf. Mitversorgt wird außerdem eine Rehaklinik mit insgesamt 281 Zimmern.

Dampfbasierte Heizung arbeitete ineffizient

Vor der energetischen Sanierung versorgten mehrere Heizzentralen das weitläufige Areal mit verschiedenen Gebäuden. Als Wärmeträger wurde durchgängig Dampf eingesetzt, auch für die Heizung, was äußert ineffizient war. Im Jahr 2009 entschloss sich das Hotel, die Wärmeversorgung zu erneuern, und schrieb das Projekt aus. Überzeugen konnte das Angebot der GASAG Solution Plus GmbH (GSP) mit ihrer Zweigniederlassung in Essen. „Wir schlugen vor, die komplette Heiztechnik in einer Zentrale zu installieren und ein Nahwärmenetz anzulegen, an das auch die benachbarte Marcus-Klinik angeschlossen werden sollte. Das Heizungssystem sollte von Dampf auf Warmwasser umgestellt werden. Außerdem planten wir zwei Blockheizkraftwerke, um die Stromkosten des Hotels zu senken“, erläutert Stefan Bolle, Vertriebsleiter bei der GSP. Im Frühjahr 2010 begann die Umsetzung. Aufgrund der Größe des Projekts und des weiterlaufenden Betriebs von Hotel und Klinik dauerte die Bauzeit knapp ein Jahr. „Wir mussten unter anderem einen 20 m hohen Schornstein abreißen und neu bauen“, erinnert sich Bolle an nur eine von vielen Herausforderungen.

Heizzentrale enthält die komplette Technik

In der neuen Heizzentrale steht nun ein 6 MW Heizkessel mit einem Zweistoff-Brenner. Geheizt wird mit Gas, zur Erhöhung der Versorgungssicherheit – insbesondere wegen der an das Nahwärmenetz angeschlossenen Klinik – kann die Anlage aber auch mit Öl betrieben werden. Die alten Dampferzeuger wurden durch moderne 1.200 kW Dampfkesselanlagen ersetzt. Da im Heizungssystem nun Wasser als Wärmeträger fließt, benötigt das Hotel nur noch wenig Dampf, der nach Bedarf erzeugt wird, zum Beispiel für die eigene Wäscherei.

Zunächst wurden zwei mit Gas betriebene BHKW mit jeweils 237 kW elektrischer Leistung installiert. Beide sind wärmegeführt und an der Wärmegrundlast orientiert, so dass sie effizient im Volllastbetrieb arbeiten können. Die Laufzeit der Module beträgt 6.000 bis 8.000 Betriebsstunden pro Jahr. Zwei Jahre nach der Sanierung kam noch ein drittes BHKW mit 140 kW elektrischer Leistung hinzu, weil sich der Strom- und Wärmebedarf der Hotelanlage entsprechend erhöht hatte.

Im Rahmen des Projekts sanierte die GSP außerdem die Warmwasserbereitung, erneuerte die Heizungsverteilung und installierte eine Fernüberwachung sowie moderne Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik. Außerdem wurde das gesamte Heizungsnetz hydraulisch optimiert. Anstelle mehrerer Warmwasserspeicher, wie sie zuvor vorhanden waren, sorgen nun Warmwasser-Speicherladesysteme für stets frisches Warmwasser. Das reduziert die Energieverluste durch die Speicher und beugt Legionellen vor.

Hotel spart Energie und Kosten

Das Ergebnis der Maßnahmen kann sich sehen lassen: Das Hotel & Spa Gräflicher Park konnte seine Energieeffizienz um 18 % steigern und spart dafür 17 % der ursprünglichen Energiekosten. Die drei BHKW decken den Strombedarf zu ca. 85 % ab. Im Vergleich zu vorher emittiert das Hotel 2.300 t weniger CO2 pro Jahr; berücksichtigt man nur die BHKW entspricht der Rückgang 47 %, bezogen auf die Gesamtanlage sind es 24 %.

Die GSP kümmert sich als Contractor um die störungsfreie Funktion der Heizzentrale, das Hotel bezahlt die gelieferte Energie. Der Contracting-Vertrag über die Lieferung von Dampf und Wärme läuft über 15 Jahre. Das Hotel profitiert dabei von der Erfahrung des Contractors, der die gesetzlichen, wirtschaftlichen und energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen genau kennt. Nach Ablauf der Vertragslaufzeit kann das Hotel die Heizanlagen vom Contractor übernehmen oder den Vertrag zu günstigeren Konditionen aufgrund der dann entfallenden Finanzierungskosten verlängern.

von Simone Pabst

 

Weitere Infos: www.gasag-solution.de