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Mit gutem Beispiel vorangehen

Wie die AWO Rostock erfolgreich ein Energiemanagementsystem eingeführt hat

Das im Jahr 2015 novellierte Energiedienstleistungsgesetz verpflichtet große Unternehmen ihren Energieverbrauch regelmäßig prüfen zu lassen. Davon betroffen war auch der AWO-Sozialdienst Rostock, der daraufhin ein Energiemanagementsystem einführte. Die Mitarbeiter wurden dabei behutsam miteinbezogen, so dass die AWO ihren Bedarf an Wasser, Heizenergie und Strom senken konnte. Der Erfolg aus Rostock dient als Vorbild für andere Verbände.

Mit gutem Beispiel vorangehen – das tut der AWO-Sozialdienst Rostock nicht nur durch sein soziales Engagement, sondern auch in Sachen Energieeffizienz. Die 1994 als Tochtergesellschaft des Arbeiterwohlfahrt-Kreisverbands Rostock gegründete gemeinnützige GmbH hat sich im Jahr 2015 nach der ISO 50001 zertifizieren lassen. Denn auch die AWO unterliegt dem novellierten Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G). Dieses besagt, dass Großunternehmen ab 2015 verpflichtet sind, entweder ein Energieaudit oder ein zertifiziertes Energiemanagementsystem einzuführen. Zu Großunternehmen zählen nach dem Gesetz Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern, mehr als 50 Mio. € Umsatz oder einer Bilanzsumme von über 43 Mio. € sowie verbundene Unternehmen. Mit dem EDL-G setzte der deutsche Gesetzgeber die im Dezember 2012 in Kraft getretene Energieeffizienz-Richtlinie 2012/27/EU in nationales Recht um. Ziel der Richtlinie ist es, den Primärenergieverbrauch in der EU bis zum Jahr 2020 um 20 % zu reduzieren.

Die AWO Rostock hat über 550 Mitarbeiter in mehr als 30 Einrichtungen und Projekten in Rostock, Ribnitz-Damgarten und Kühlungsborn. Im Frühjahr 2015 wurde sie vom AWO-Bundesverband darauf aufmerksam gemacht, dass sie aktiv werden muss. Zwei Alternativen standen zur Wahl: Entweder bis zum 5. Dezember 2015 ein Energieaudit nach der europäischen Norm EN 16247-1 durchführen lassen, das alle vier Jahre wiederholt werden muss, oder ein Energiemanagementsystem gemäß ISO 50001 implementieren, das eine akkreditierte Stelle bis Ende Dezember 2016 zertifizieren muss.

Energiemanagement bietet langfristige Chancen

Einige Organisationen haben sich allein aus Zeitgründen für ein Energiemanagementsystem entschieden, für die AWO spielte aber auch ihr ökologisches Bewusstsein und der sorgsame Umgang mit der Natur und Umwelt eine Rolle. Denn während ein Energieaudit eher eine Momentaufnahme darstellt, kann ein Energiemanagementsystem dafür sorgen, dass nicht nur auf technologischer oder materieller Ebene, sondern prozess- sowie verhaltensorientiert ein ökologisches Bewusstsein aufgebaut wird. Das steigert letztendlich die Energieeffizienz und reduziert die Kosten. Zudem ließ sich ein Energiemanagementsystem leicht in das bei der AWO bereits bestehende Qualitätsmanagementsystem ISO 9001 integrieren. Trotzdem war der knappe Zeitplan für die Umsetzung und Zertifizierung des Systems herausfordernd.

Zur Einführung des EnMS holte sich die AWO Rostock mit dem Gebäudedienstleister Dussmann Service externe Unterstützung ins Haus. Das Projekt startete mit einer eingehenden Schulung, ein Energiemanagementbeauftragter wurde bestellt und ein Energieteam gebildet, das sogleich mit den Vorbereitungen begann. Das Team startete eine umfangreiche Datenermittlung der einzelnen AWO-Standorte und bewertete die Energieverbräuche. Dabei orientierte man sich an den Grundzügen eines Energieaudits nach DIN EN 16247-1. Die Medienverbräuche und -ströme wurden erfasst, Energielieferverträge überprüft, verschiedene Nutzungen untersucht und alle in den Standorten befindlichen Verbraucher mit ihren Betriebszeiten erfasst. Dabei zeigte sich, dass das Heizen mit Öl, Fernwärme und Erdgas einen erheblichen Anteil am Energieverbrauch hat.

Mitarbeiter mit ins Boot holen

Eine anspruchsvolle Aufgabe war, aus den Unmengen an Verbrauchsdaten eine sinnvolle Datenbasis für die jährliche Vergleichbarkeit sowie geeignete Kennzahlen zur Überwachung zu bilden. Dafür wurden z.B. die Energieleistungskennzahlen „Verbrauch je m² Bruttogeschossfläche“ sowie „Verbrauch je Belegung“ (Patienten, Kinder, Mitarbeiter etc.) herangezogen und für alle AWO-Standorte eingeführt. Wichtig war außerdem, das Personal entsprechend in das Energiemanagementsystem miteinzubeziehen, um aus „Betroffenen“ Beteiligte zu machen. Der Energiemanagementbeauftragte schulte die Beschäftigten entsprechend, sensibilisierte und motivierte sie für das Thema Energieeffizienz. Dabei stand der Mehrwert des Systems im Vordergrund. Die Mitarbeiter lernten, wie gezielt Strom, Wasser und vor allem Heizenergie eingespart werden kann. Sorgfältig wurden Energiebeauftragte für die einzelnen Standorte ausgewählt, die persönlich geeignet und auch bereit waren, eine neue, wichtige Aufgabe in einem großen Team wahrzunehmen. Das Energiemanagement hat damit eine hohe Akzeptanz gefunden.

Im Dezember 2016 hat der AWO-Sozialdienst Rostock schließlich in einem externen Überprüfungsaudit durch die DQS GmbH seine Bestätigung erhalten – die erfolgreiche Umsetzung des Energiemanagements wurde bestätigt und das ISO 50001-Zertifikat ausgehändigt. Mit Hilfe des Energiemanagementsystems konnten zahlreiche Energie- und Kosteneinsparpotenziale identifiziert werden. Wegen ihrer Gemeinnützigkeit kann die AWO allerdings aus der Umsetzung der Potenziale keine finanziellen Vorteile ziehen, Einsparungen kommen der öffentlichen Hand zugute.

Vorbild sein für andere Verbände

Die AWO Rostock dient in puncto Energieeffizienz als „Leuchtturmprojekt“ – von ihren Erfahrungen profitieren nun auch die anderen Verbände. Die Ergebnisse des Managementsystems dienen der Geschäftsführung auch als Basis für die Festlegung der Energieziele für die kommenden Jahre. In der Praxis können jedoch nicht alle theoretischen Einsparpotenziale umgesetzt werden, denn der Mensch und dessen Wohlergehen stehen bei den Dienstleistungen der AWO im Vordergrund – ganz besonders bei Älteren oder Kranken.

Im kommenden Jahr steht bei der AWO Rostock nun die erneute umfangreiche Zertifizierung des Energiemanagementsystems an, wonach ein neues drei Jahre gültiges Zertifikat ausgehändigt werden soll. (SP)