Der rasante Ausbau von KI-Rechenzentren verändert den europäischen Energiemarkt grundlegend und stellt neue Anforderungen an eine nachhaltige Stromversorgung. Im Interview auf dem Forum Solar PLUS 2025 ordnet Andreas Hoischen, Senior Director Solar Solutions Delta Electronics EMEA, ein, warum Solarenergie eine Schlüsseltechnologie für KI-Rechenzentren ist und welche Chancen und Herausforderungen sich dadurch ergeben.
Für die Solarbranche ist das Thema von zentraler Bedeutung: Der wachsende Strombedarf digitaler Infrastrukturen eröffnet neue Anwendungsfelder für Photovoltaik und effiziente Leistungselektronik.
Der Energiebedarf von Rechenzentren steigt massiv, insbesondere durch KI. Gleichzeitig stellt sich die Frage, woher diese Energie künftig kommt. Wenn wir an der Dekarbonisierung festhalten, fallen fossile Energien weg. Kernenergie ist politisch in vielen Ländern keine Option. Wasserkraft ist weitgehend ausgereizt und langsam im Ausbau, auch die Genehmigungsverfahren für Windenergie sind lange. Das passt nicht zu den derzeitigen Installationsgeschwindigkeiten für KI-Kapazitäten. Solarenergie ist dafür die erneuerbare Lösung, die sich kurzfristig und in großem Maßstab realisieren lässt. Für den schnellen Ausbau von KI-Rechenzentren ist PV daher entscheidend.
Ja, genau. Theoretisch könnte grüner Wasserstoff eine Rolle spielen, aber diese Technologie steht noch am Anfang und ist zu wenig verfügbar. Am Ende bleiben oft Gaskraftwerke als Übergangslösung, was wieder fossile Abhängigkeiten bedeutet. Zudem konkurriert KI hier mit anderen Industrien um Gas. Das könnte die Preise für Gas weiter nach oben treiben. Wichtig ist deshalb, dass der Verbrauch für KI und Datencenter nicht dazu beiträgt, noch mehr Industrien aus Europa zu verdrängen.
Die unterbrechungsfreien Stromversorgungen in Rechenzentren basiert technisch ebenfalls auf Wechselrichtern. Damit sind sie sehr nah an der Technologie von Solar- und auch Windwechselrichtern. Daraus ergeben sich interessante Integrationspotenziale. Ein Ansatz ist, unnötige Energieumwandlungen zu vermeiden und stärker auf der Gleichstromseite zu bleiben. Solarenergie wird als DC erzeugt und könnte direkt weiterverarbeitet werden. Das würde zusätzliche Effizienzgewinne ermöglichen. Um solche Konzepte umzusetzen, wären Pilotprojekte sinnvoll.
Diese Entwicklung ist zugleich spannend und teilweise kritisch zu betrachten. Der stark steigende Energiebedarf von Rechenzentren kann zu Zielkonflikten in der Energieversorgung führen. In den USA gibt es bereits Regionen, in denen der hohe Stromverbrauch von Rechenzentren zu Einschränkungen für Anwohner führt. Ob das in Europa gesellschaftlich akzeptiert würde, ist offen. Gleichzeitig sehen wir, dass Rechenzentren ihren Strom zunehmend über PPAs aus erneuerbaren Anlagen beziehen. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass große Softwareunternehmen als Abnehmer von erneuerbarem Strom aus PV-Parks auftreten. Auch große Hyperscaler beschäftigen sich intensiv mit eigenen Energieinitiativen. Ziel ist es häufig, Effizienzgewinne zu erzielen, etwa durch die Reduzierung von Umwandlungsschritten zwischen Gleich- und Wechselstrom. Solche Ansätze lohnen sich vor allem für sehr große Rechenzentren.
Ein Rechenzentrum ist zunächst eine sehr große Dauerlast im Netz. Anders als Industrieanlagen lässt sich diese Last kaum flexibel steuern. Nutzer lassen sich nicht einfach „herunterregeln“. Möglich ist jedoch die Bereitstellung von Blindleistung. In Kombination mit Batteriespeichern können Rechenzentren zur Netzstabilisierung beitragen. Technisch ist das heute bereits machbar. Die Herausforderung liegt eher in der systematischen Einbindung in die Netzsteuerung.
Diese Verzahnung wird deutlich zunehmen. KI macht Energie zu einem strategischen Faktor der Digitalwirtschaft. Beide Bereiche müssen gemeinsam geplant werden. Denkbar sind engere Kooperationen oder sogar strukturelle Zusammenschlüsse. Gleichzeitig kann die Energiewirtschaft stark von Digitalisierung profitieren. Viele Prozesse laufen noch zu analog. Mit digitalen Steuerungen ließe sich das Netz effizienter betreiben. Voraussetzung ist, dass Energie- und Digitalwirtschaft konsequent zusammenarbeiten.
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