Lernen von Europa – In 30 Minuten zur Anschlusszusage für PV-Anlagen

Branchenneuigkeit – 31. Januar 2025

Photovoltaik-Anlage in Österreich

Europa ist vielfältig, geografisch wie kulturell. Genauso facettenreich sind die Lösungsansätze für die Energiewende in den verschiedenen Ländern. The smarter E Europe sieht diese Vielfalt als Chance, voneinander zu lernen und die Energiewende im jeweils eigenen Land noch schneller und effizienter umzusetzen. In dieser Artikelserie stellen wir Ihnen innovative und erfolgreiche Projekte aus Europa vor, die zeigen, wie eine erneuerbare Energieversorgung 24/7 funktionieren kann. Die Beispiele sollen Impulse und Inspiration geben, damit aus „geht nicht“ „gibt es schon“ wird.

Der jüngste Boom der Photovoltaik fordert die Verteilnetzbetreiber heraus. Sie müssen bei Anträgen von potenziellen Einspeisern jeweils die Netzkapazitäten analysieren und dem Antragsteller eine schnelle Rückmeldung zu geben. Die Kärnten Netz GmbH (KNG) hat diesen Prozess so weit automatisiert, dass sie im Mittel innerhalb von 30 Minuten mitteilen kann, ob ein Anschluss am gewünschten Standort möglich ist – und wenn ja, in welchem Umfang.

Der Netzbetreiber aus Österreich reagierte mit der Automatisierung auf die rasant zunehmenden Anschlussanträge. Durch die guten Förderbedingungen war die Zahl der Anträge von 2018 auf 2022 um das 15-fache gewachsen. Diese Menge konnten die Mitarbeiter des Netzkundenservice nicht mehr vernünftig manuell bearbeiten. Das Unternehmen hätte in großem Stil neue Mitarbeiter einstellen müssen. Stattdessen entschied sich die KNG, den Prozess vom Antrag bis zur Angebotsannahme durch den Kunden zu standardisieren, so dass er zu 100 Prozent digitalisiert ablaufen kann. Voraussetzung dafür waren vollständige Kundendaten und tagesaktuelle Netzdaten einschließlich der elektrischen Topologie (digitaler Zwilling).

Inzwischen ist der Prozess etabliert. Die Kunden stellen ihre Anfrage ausschließlich digital über ein Webportal. Anfangs haben die Mitarbeiter des Netzbetreibers die Kundenstamm- und Anlagendaten noch auf Plausibilität überprüft, aber auch dieser Schritt läuft inzwischen automatisiert. Anschließend analysiert das System die Anfrage auf Basis einer tagesaktuellen Netzberechnung im gesamten Niederspannungsnetz der KNG. Damit ist gewährleistet, dass für jeden Antrag die aktuellen freien Kapazitäten berücksichtigt werden. In die Berechnung fließen die Lastflüsse für alle 160.000 Anschlussobjekte im Netzgebiet ein. Das Programm basiert auf dem Softwaretool MATLAB und nutzt elektrische und standortspezifische Daten aus dem Geoinformationssystem sowie Kundenstammdaten aus SAP. Mitarbeiter der KNG haben es selbst entwickelt.

Wenn ein Anschluss der PV-Anlage mit der vom Kunden gewünschten Leistung möglich ist, wird diese Information an das Netzkundeninformationssystem übergeben. Ist die beantragte Leistung zu groß, meldet das System die Höhe der aktuellen Netznutzungsrechte, maximal jedoch 20 Kilowatt, zurück und reserviert sie für den Kunden. Sollten für einen Anschluss Ausbauarbeiten im Ortsnetz erforderlich sein, wird automatisch das zuständige Team beauftragt, die Maßnahme innerhalb der nächsten zwölf Monate zu planen und auszuführen.

Wenn der Anschluss bestätigt werden kann, erstellt die Software alle Dokumente automatisch, unterzeichnet das Angebot und stellt es dem Kunden digital zur Verfügung. Gleichzeitig wird eine neue Netzberechnung durchgeführt, um die freien Kapazitäten zu aktualisieren. Durch die Automatisierung hat sich die Bearbeitungszeit der Anträge von zwei bis drei Tagen auf nur 30 Minuten verkürzt, berichtet KNG. Bislang seien schon mehr als 10.000 automatisierte Angebote für Photovoltaikanlagen erstellt worden.

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