Die Hochschule im bayerischen Ansbach hat mit Unterstützung des Bundesforschungsministeriums einen „HEMS-Finder“ entwickelt. Das ist eine öffentlich zugängliche Datenbank, die Verbrauchern, Installateuren und Planern einen individuell konfigurierbaren Marktüberblick über Home Energy Management Systeme (HEMS) gibt.
Projektleiter Thomas Haupt erklärt im Interview, wie die Datenbank funktioniert, und berichtet über aktuelle Trends. Haupt ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Ansbach im Bereich Smart Energy Systems.
Ganz allgemein ist das ein System, das die Lastflüsse im Privathaushalt managt. Es kann immer dann sinnvoll sein, wenn der Haushalt über mehrere Flexibilitäten verfügt, also über eine Photovoltaikanlage mit Batterie und flexible Verbraucher, wie Wallbox oder Wärmepumpe. Die derzeit wichtigste Funktion eines HEMS ist die Optimierung des PV-Eigenverbrauchs; die Relevanz der Einspeisevergütung nimmt dadurch ab. Ein HEMS bewirtschaftet auch die Speicher und steuert die Verbraucher preisoptimiert. Gegebenenfalls können auch noch dynamische Stromtarife integriert werden.
Jedes HEMS hat seine spezifischen Eigenschaften. In unserer Suchmaske zur Kompatibilität kann der Nutzer erstens angeben, welche Geräte von welchen Herstellern schon installiert sind, beziehungsweise installiert werden sollen. Und dann kann er angeben, was das System können soll. Anschließend zeigt unser Tool an, welche Hersteller entsprechende Produkte im Programm haben. Zu den gefilterten Produkten kann man sich dann weitere Daten anzeigen lassen, etwa den Preis. Der Preis selbst ist allerdings nicht filterbar, weil manche Hersteller die Preise für Händler angeben, andere die Endkundenpreise. Da ist keine Vergleichbarkeit gegeben.
Primär an die Installateure, die ein Gesamtsystem konfigurieren wollen, aber natürlich nicht die Möglichkeiten jedes einzelnen Produkts auf dem Markt stets parat haben können. Zumal das für viele auch noch Neuland ist: Als wir 2024 auf Installateure zugingen, um ihnen unser Konzept vorzustellen, hatten viele noch gar nichts von HEMS gehört. Darum ist der Informationsbedarf groß. Aber auch Endkunden können auf unserer Website schauen, welches Modell für sie passt. Eine dritte Nutzergruppe sind inzwischen die Stadtwerke, die als Energiedienstleister unter Druck stehen, weil einige Technik-affine Start-ups mit dynamischen Strompreisen und entsprechenden Apps in den Markt drängen. Da müssen die Stadtwerke nachziehen.
Am Anfang sind wir auf die uns bekannten Firmen zugegangen und haben deren Produktdaten abgefragt. Unsere Marktabdeckung lag Ende 2024 bei etwa 80 Prozent. Inzwischen haben wir rund 70 Anbieter und decken damit den Markt sehr gut ab. Seit einiger Zeit kommen neue Anbieter auch auf uns zu, weil sie mit ihren Produkten bei uns aufgenommen werden wollen. Wir merken langsam, dass die Zahl der Anbieter inzwischen stagniert, es gibt eine Sättigung.
Nein, das Marktvolumen wächst weiter. In Deutschland gibt es inzwischen fünf Millionen private PV-Anlagen und 2,5 Millionen Batteriespeicher. Auch mit dem Zubau von Wärmepumpen und Wallboxen steigt die Zahl der potenziellen Kunden stetig.
Mit der Zunahme der dynamischen Stromtarife werden die Steuerungsalgorithmen natürlich immer komplexer. Auch variable Netzentgelte werden zunehmend eine Rolle spielen. Massiv an Bedeutung dürften zudem Prognosen gewinnen, also die Vorhersage der PV-Produktion oder auch der Last. Denn Informationen darüber, ob ein Batteriespeicher sich am nächsten Mittag mit Solarstrom wieder vollladen lässt, bietet ja schon am Vortag Potenzial für eine kostenoptimierte Steuerung. In unserer Datenbank kann man daher auch den Wunsch nach integrierter PV-Prognose angeben und erhält dann nur die betreffenden Systeme vorgeschlagen.
Dieses Thema haben wir als Suchkriterium bewusst nicht aufgenommen. Viele Firmen geben an, mit KI zu arbeiten, aber der Begriff ist sehr variabel. Die Frage, welche Algorithmen wirkliche KI nutzen, ist für uns schwer abzugrenzen.
Zum Beispiel lassen sich HEMS mit Open-Source-Software herausfiltern. Wenn jemand das System noch um eigene Steuerungsoptionen ergänzen will, ist das natürlich attraktiv. Ein weiteres Kriterium kann für Kunden auch ein System sein, das keine eigene Hardware benötigt, sondern in der Cloud läuft. Auch das kann man filtern. Allerdings gibt es in dieser Kategorie erst relativ wenige Systeme. Auch technische Spezifikationen der Anlagen können ausgewählt werden, zum Beispiel, ob eine SG-Ready-Wärmepumpe angeschlossen und gesteuert werden kann.
Grundsätzlich schon, zumindest im Moment. Im Mehrfamilienhaus wird alles noch viel komplexer. Trotzdem ist zum Beispiel die Option für ein Ladelastmanagement bei mehreren Wallboxen natürlich ein Aspekt. Wie weit solche Anforderungen künftig auch Eingang in unsere Datenbank finden, ist noch unklar. Entsprechende Überlegungen gibt es.
Das ist genau die Frage, an der wir aktuell arbeiten. Das Forschungsprojekt läuft Ende Mai aus. Wir sind daher gerade dabei, einen Verein zu gründen, der künftig die Plattform weiter pflegen wird, denn die Entwicklung der Produkte schreitet ja schnell voran. Das immer wieder nachzutragen, können wir auf Dauer nicht leisten. Bereits seit September 2025 ist daher ein Zugang zur Datenbank für die Hersteller freigeschaltet, so dass sie ihre Produktdaten selbst aktualisieren können.
Die EM-Power Europe vom 23.–25. Juni 2026 in München bietet einen umfassenden Überblick über aktuelle Lösungen, Technologien und Produkte rund um intelligentes Energiemanagement. Wer tiefer in das Thema Home Energy Management einsteigen möchte, findet dazu eine passende Session auf dem The smarter E Forum im Rahmen der Messe.
Unter dem Titel „Energie intelligent managen – im Einfamilienhaus ebenso wie im Gewerbegebäude“ werden praxistaugliche HEMS- und BEMS‑Lösungen vorgestellt. Im Fokus stehen Integration, Interoperabilität und Zukunftssicherheit – von PV über Ladeinfrastruktur und Speicher bis hin zu Heizung, Automatisierung und Netzanbindung. Ergänzt wird die Session durch konkrete Anwendungsbeispiele aus der Praxis. Die Session findet am Donnerstag, 25. Juni 2026 von 15:45–16:30 Uhr in Halle C5, Stand C5.550 statt.