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Best-Practice-Beispiel: Energiewende im Galopp

Reitanlage mit PV-Modulen

Mit einer großen, über drei Gebäudedächer verteilten Photovoltaik-Anlage und einem Großspeichersystem erzielen die Ludger Beerbaum Stables eine Eigenverbrauchsquote von knapp 60%. (Copyright: Varta Storage)

Energiewende im Galopp

Olympiasieger Ludger Beerbaum stellt Hofanlage auf dezentrale Energieversorgung um

Mehrere Netzanschlüsse, unterschiedliche Strompreise und die zeitaufwändige Kommunikation mit dem Energieversorger machten die Stromversorgung auf dem Anwesen von Springreiter Ludger Beerbaum zum Hindernisparcours. Ein Ingenieurbüro brachte Ordnung ins System: Mit einem Arealnetz, einer PV-Anlage und ein Batteriespeicher spart Beerbaum nun Geld und schont das Klima.

Über zu wenig Power unter seinem Dach kann sich Ludger Beerbaum nicht beschweren, beherbergt er in seinem Stall in Hörstel am Südhang des Teutoburger Waldes doch zahlreiche erstklassige Springpferde. Eher schlecht bestellt war es bis vergangenen Sommer aber um die Stromversorgung auf dem Gelände des bekannten Springreiters. Durch die Erfolge mit seinem internationalen Turnierstall, mit der professionellen Ausbildung von Pferden und Reitern, der EU-Hengststation und mit dem weltweiten Verkauf von Springpferden wuchs die Hofanlage entsprechend. Mit den über die Jahre vorgenommenen Erweiterungen des Anwesens nahm die Anzahl der elektrischen Netzanschlüsse ständig zu, was zu hohen laufenden Kosten führte. Auf Betreiben von Ludger Beerbaum erarbeitete daher die Firma WALTER konzept einen Maßnahmenplan, mit dem Ziel einer möglichst autarken Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien. Als überregionales Ingenieurbüro hat sich das Unternehmen auf erneuerbare Energien und den energieeffizienten Bau und Umbau von Gebäuden und Heizungsanlagen spezialisiert.

Sonnenstrom für Tag und Nacht

Die Lösung bestand darin, die über das Anwesen verteilten Netzanschlüsse zusammenzufügen. Heute ist die Hofanlage über ein Arealnetz mit nur noch einem Netzanschluss verbunden. Zudem wurden eine Photovoltaik-Anlage und ein moderner Stromspeicher auf Lithium-Ionen Basis errichtet. Die neue PV-Anlage mit einer Leistung von 151 kWp und einem durchschnittlichen Jahresertrag von 834 kWh pro kWp verteilt sich auf drei Dächer des Anwesens. Demgegenüber steht ein erwarteter Stromverbrauch von rund 118.000 kWh. Das Speichersystem Varta flex storage 36/75 mit 36 kW Lade- und Entladeleistung sowie 75 kWh nutzbarer Kapazität sorgt dafür, dass der vor Ort gewonnene Solarstrom auch nachts zur Verfügung steht und den Eigenverbrauch erhöht. Über eine Wärmepumpe wird der Solarstrom auch zum Heizen genutzt. Im Sommer reicht er aus, um das ganze Anwesen zu versorgen, im Winter muss noch Strom aus dem Netz bezogen werden. Die Eigenverbrauchsquote liegt bei knapp 60% und die Autarkiequote bei etwas über 60%

Bei der Umsetzung des Projektes Ludger Beerbaum Stables nahm WALTER konzept die Bestandssituation bei den diversen Netzzugängen und der elektrischen Infrastruktur auf. Unterschiedliche Messekonzepte bei den Zählern, unklare Verläufe der Hausanschlusstrassen und uneinheitliche Strompreise machten diese Arbeit besonders komplex. Schwierig waren auch die Verhandlungen mit dem Netzbetreiber. Dafür konnten teilweise Leitungen des Netzbetreibers übernommen werden. Durch den Einsatz des Ingenieurbüros profitiert Ludger Beerbaum nun doppelt: „Der Kunde gewinnt durch das optimierte Arealnetz einen sehr hohen Komfort und spart neben den direkten Kosten auch viel Zeit in der Kommunikation mit seinem Energieversorger“, fasst Wolfgang Walter, Seniorchef bei WALTER konzept zusammen. In der Hand von Varta Storage lagen die Simulation und Auslegung des Energiesystems aus PV-Anlage und Lithium-Ionen Speichersystem. Das Unternehmen hat das Batteriespeichersystem auch installiert und in Betrieb genommen.

Dezentrale Energieversorgung rechnet sich

Die gesamte Investition betrug rund 241.000 €. Die Anlage produziert den Strom nun für durchschnittlich 10,55 ct/kWh. Hochgerechnet auf die kommenden 25 Jahre werden sich die Einnahmen, addiert aus dem vermiedenen Strombezug und der Einspeisevergütung, auf etwa 765.000 € belaufen. Der Return on Investment der im Juli 2018 in Betrieb gegangenen Energieversorgung der Hofanlage wurde mit weniger als neun Jahren berechnet. Ludger Beerbaum hat mit der neuen Anlage sein Ziel erreicht. Er nutzt nun erneuerbare Energien und entlastet seinen Betrieb bei den Stromkosten. „Die Anlage läuft perfekt und die Ergebnisse überzeugen. Ein nächstes Projekt ist bereits in Arbeit“, resümiert Beerbaum zufrieden. Dabei soll das nahe gelegene Pferdesportzentrum Riesenbeck International energetisch optimiert werden. Außerdem ist für die Zukunft auch die Nutzung von Elektromobilität vorgesehen. (SP)

Weitere Informationen: WALTER konzept