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Das Henne-Ei-Prinzip

Deutschland verfehlt seine Klimaziele. Eine Ursache dafür ist die geringe Effizienzsteigerung im Gebäudesektor in den vergangenen Jahren. Dabei gibt es viele intelligente Lösungen, die sich schnell amortisieren. Sie werden nur noch zu selten eingesetzt. Auf der Messe EM-Power mit ihrem Energie Kompakt Forum konnten die Besucher eindrucksvolle Beispiele erleben, wie sich die Energieeffizienz kostengünstig steigern lässt.

25. Juni 2018 – Deutschland ist in der Vorrunde ausgeschieden – so ließe sich das Ergebnis zusammenfassen, wenn die Klimapolitik ein Fußballspiel wäre. Acht Prozentpunkte wird die Lücke wohl betragen, mit der Deutschland sein Klimaziel von 40 % weniger Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 verfehlt. Auf ein Tor in letzter Minute ist nicht zu hoffen, und so wird sich Deutschland in den nächsten Jahren gewaltig anstrengen müssen, um sein nächstes Etappenziel von 55 % weniger Treibhausgasemissionen im Jahr 2030 noch zu erreichen. Dabei geht es – wie im Fußball – um viel Geld. Nach einem aktuellen Bericht des Tagesspiegels wird Deutschland wahrscheinlich auch die verbindlichen Klimaziele der EU verpassen und müsste dann Emissionsrechte von anderen EU-Ländern kaufen. Dadurch könnten Kosten in zweistelliger Milliardenhöhe entstehen.

Neben der Landwirtschaft und dem Verkehr ist es der Gebäudesektor, in dem sich zu wenig in Sachen Energieeffizienz und Einsatz erneuerbarer Energien tut. Dabei ist die Technik dafür schon da, wie sich auf der Messe EM-Power vergangene Woche eindrücklich gezeigt hat. Doch viele Entscheider gerade in Deutschland scheuen sich davor, sie einzusetzen, selbst wenn sie dabei am Ende Geld sparen würden. Darin waren sich die Referenten auf dem Forum Energie Kompakt einig, die dort an allen drei Messetagen eindrucksvolle Beispiele für mehr Effizienz im Gebäudesektor vorstellten.

Investitionen armotierisieren sich oft innerhalb eines Jahres

Oliver Huber von der theneo GmbH & Co. KG – Gesellschaft für Energie-Optimierung bemängelte, dass vielen Eigentümern oder Energiemanagern das Bewusstsein für den Zustand ihrer Energieanlagen fehle. Häufige Personalwechsel und mangelnde Kommunikation verschärfen das Problem. Eine Visualisierung und Darstellung der Zahlen kann hier viel bewirken. Wichtig sei aber auch das Fachwissen und Engagement von Installateuren und Elektrikern. Thomas Eick von der Tenag GmbH hat die Erfahrung gemacht, dass neue Heizungsanlagen nicht unbedingt effizienter sein müssen als alte, wenn sie schlecht eingestellt sind. Jakob Kronberger von der IMET GmbH, einem Partner der DEHOGA Energiekampagne und Herman Bauer, Energy Smart Water, berichteten beide über Abwärmeanlagen in Hotels, die zwar installiert waren, aber nicht oder nur eingeschränkt funktionierten. Ein Zuhörer des Forums kritisierte, dass viele Controller nur auf die Investitionskosten achteten. Dabei betrug die Amortisationszeit in den beim Forum vorgestellten Best-Practice-Beispielen oft unter einem Jahr, nicht zuletzt aufgrund der hohen Strompreise in Deutschland.

So stellte Christian Bindl, pesContracting GmbH, Kliniken vor, die durch den Austauch ineffizienter Pumpen im Mietkaufverfahren hohe Summen einsparen können; das Klinikum Barnim in Eberswalde beispielsweise 194.880 € in 15 Jahren. Thomas Eick von der Tenag berichtete von einem kunststoffverarbeitenden Betrieb, bei dem allein durch die Reduktion von Druckluftleckagen 93.320 kWh Strom pro Jahr eingespart werden, was einer Energiemenge entspricht, mit der ein Diesel-PKW 400.000 km weit fahren könne. In diesem Beispiel stellte die Tenag dem Unternehmen einen externen Energiemanger zur Ein- bzw. Durchführung eines Energiemanagementsystems nach ISO 50001. Wie ein Krankenhauskomplex ohne Investition in die Technik jährlich 28.000 € einspart – nur durch die kaufmännische Optimierung seiner Energieflüsse – das erläuterte Matthias Karger von der node.energy GmbH in seinem Vortrag.

Lisann Rommerskirchen von der Athion GmbH referierte über ihre IT-Dienstleistungen am Beispiel eines Zementwerks von HeidelbergCement. Mit künstlicher Intelligenz und mathematischer Optimierung lässt sich die Wirtschaftlichkeit komplexer Energiesysteme typischerweise um 20-30 % erhöhen. Die Initiative Energiesprong will mit einem neuartigen Ansatz aus den Niederlanden die energetische Sanierung von Wohngebäuden schneller und günstiger machen, indem Module für die Sanierung industriell vorgefertigt werden. Durch den Einsatz von Energiemodulen, in denen die komplette Haustechnik steckt, sowie fertiger Fassaden- und Dachelemente könnten Mehrfamilien- oder Reihenhäuser je nach Größe binnen ein- bis zwei Wochen oder sogar an einem Tag saniert werden – bis zum Passivhausstandard. Hermann Bauer von Energy Smart Water berichtete, wie 400 McDonalds-Filialen weltweit jährlich 16.000 MWh Energie mit der Speicherung der Abwärme aus ihren Klimaanlagen in Warmwasserspeichern sparen. Nur in Deutschland sei es keine einzige Filiale.

Weitere interessante Einblicke von der EM-Power und ausführliche Best-Practice-Bespiele finden Sie in unseren nächsten Newslettern und auf www.em-power.eu. Bleiben Sie dran!