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BHKW des Monats: Neues Herz in alter Hülle

Modell der KWK-Anlage am Standort Melaten

Herzstück der neuen KWK-Anlage in Aachen sind vier Cat Aggregate, die Zeppelin Power Systems als Generalunternehmer geliefert hat. (Copyright: Zeppelin Power Systems)

Das jüngste BHKW der Stadtwerke Aachen (Stawag) ist von der Fachzeitschrift Energie & Management zum BHWK des Monats Mai gekürt worden. Die bislang größte KWK-Anlage in der Stadt mit je 10 MW elektrischer und thermischer Leistung war Anfang des Jahres im Hochschulerweiterungsgebiet Melaten offiziell in Betrieb gegangen. Ihre Besonderheit ist zum einen, dass sie im Gebäude eines ehemaligen Müllheizkraftwerks errichtet wurde, das ab den 1970er Jahren das Klinikum Aachen mit Hochtemperaturwärme versorgt hatte, aber vor gut 20 Jahren stillgelegt worden war. Das Gebäude musste dafür entkernt werden, ein Neubau wäre nach Aussage von Frank Brösse, Geschäftsführer der Stawag Energie, einfacher gewesen. Die zweite Besonderheit ist, dass die erzeugte Wärme auf zwei Wärmekreise verteilt wird. Die eine Hälfte versorgt das Wärmenetz der RWTH Aachen mit einer Vorlauftemperatur von 130° C, die andere Hälfte nutzen die Stadtwerke mit einem Temperaturbereich von 90 bis 103° C für den Aachener Westen, insbesondere den Campus Melaten.

BHKW versorgt zwei unterschiedlich warme Netze

Zur Erzeugung der höheren Temperaturen, auf die das Hochschulnetz wegen der Anbindung des Klinikums ausgelegt ist, werden die Abgaswärmetauscher der Motoren genutzt. Jedes BHKW kann über zwei unterschiedliche Wärmetauscher (Abgas und Motorkühlung) in beide Wärmenetze einspeisen. Das System ist hydraulisch so gekoppelt, dass man auch vom Hochtemperaturspeicher Wärme in den Niedertemperaturspeicher bringen kann.

Auf dem Gelände neben dem neuen BHWK errichtete die Stawag eine Trafostation sowie zwei 30 m hohe Wärmespeicher, die jeweils 340 m3 Heizwasser bevorraten können. Rund 40 Mio. kWh Strom und ebenso viel Wärme wird die KWK-Anlage jährlich erzeugen und kann damit 11.500 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgt werden. Sie spart 58% CO2 gegenüber einer herkömmlichen Energieversorgung ein, ihr Gesamtwirkungsgrad liegt bei 89% Prozent. Die Investitionskosten beliefen sich auf knapp 15 Mio. €. Die neue Anlage soll dazu beitragen, schrittweise die Fernwärme zu ersetzen, die aus dem Großkraftwerk Weisweiler geliefert und aus Braunkohle gewonnen wird. Daher stellt die Stawag nach und nach die Wärmeversorgung auf KWK-Anlagen und auf die Nutzung erneuerbarer Energiequellen um. Bereits acht BHKWs sind in Betrieb, ein weiteres mit 20 MW Leistung ist geplant. (SP)

Quelle: Energie & Management

Weitere Informationen: www.stawag.de